Franz Liszt in Österreich
2019.05.10-2020.05.10

Der Titel der Ausstellung kann einige Fragen und Unsicherheiten aufwerfen: Bezieht er sich auf das österreichische Territorium der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie oder auf Österreich wie es heute ist? ...



Der Titel der Ausstellung kann einige Fragen und Unsicherheiten aufwerfen: Bezieht er sich auf das österreichische Territorium der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie oder auf Österreich wie es heute ist? Wir haben versucht, eine breite Auswahl an Informationen bereitzustellen, die beide oben genannten Epochen abdecken. Der Unterschied ist nur relevant, wenn es um Liszts Geburtsort geht, da das Gebiet nahe der Westgrenze Ungarns infolge des Friedensvertrages nach dem Ersten Weltkrieg an Österreich angeschlossen wurde, und seitdem ein Teil des Burgenlandes ist. Was zu Liszts Zeiten das Dorf Doborján war, ist heute die österreichische Stadt Raiding.

Adam Liszt wurde im deutschsprachigen Dorf Nemesvölgy westlich von Pressburg geboren, das zu dieser Zeit zum ungarischen Landkreis Moson gehörte, und heute die österreichische Stadt Edelstal ist. Liszts Mutter, Anna Lager war Österreicherin, sie wurde in Krems geboren. Liszts Vater hielt sich für Ungar und beschloss seinen Namen ungarisch zu schreiben (Liszt und nicht List). Es gibt Hinweise darauf, dass Franz Liszt schon in seinen jungen Jahren auf seine ungarischen Staatsangehörigkeit stolz war. Zu den besonderen Dokumenten der Ausstellung gehören die Kopien der Geburtsurkunden und der Originalbrief von Anna Lager, die von Peter Lange an das Liszt Museum Budapest geschenkt wurden. Gleichzeitig brachte unsere internationale Ausstellung – in Zusammenarbeit mit Martin Czernin, dem Kurator des Museums in Liszts Geburtshaus – einige interessante Dokumente zur österreichischen Rezepzion des Komponisten heute, insbesondere in Raiding.

Zu den behandelten Themen zählen die vielen Verbindungen zwischen Liszt und Österreich. Das Studiumsjahr in Wien und seine Auseinandersetzung mit der Tradition der Wiener Virtuosenschule hatten großen Einfluss auf seine Karriere als Pianist und Komponist geübt. Ein weiterer Teil der Ausstellung präsentiert Dokumente und Berichte von Liszts Wiener Konzerten als Klavierspieler und dirigierender Komponist, und die Rezepzion und Bedeutung dieser Konzerten im kulturellen Leben Wiens.

Liszt war eng mit der Habsburger-Dynastie verbunden, deren Mitglieder schon 1838 häufig bei seinen Konzerten anwesend waren. In unserer Dauerausstellung finden sich mehrere, an der kaiserlichen Familie gebundene Dokumente, wie die Urkunde über die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph Ordens, oder die Porträts der Erzherzoginnen Maria-Valeria und Amalia an der Wand des Salons.

Werke befreundeten Künstler wie Joseph Kriehuber und Kaspar von Zumbusch  zieren die damalige Wohnung Liszts. Ludwig Bösendorfer, der österreichische Klavierbauer, war auch ein enger Freund des Komponisten; Liszt half ihm beim Verkaufen seiner Klaviere, wobei er auch Instrumente anderer Hersteller wie Graf oder Streicher verwendete.

Unter den wiener Komponisten war Franz Schubert für Liszt von großer Bedeutung.  Liszt hat einige seiner Lieder bereits 1838 übertragen und bei seinen Konzerten in Wien aufgeführt. Ein ganz besonderes und kostbares Dokument, das zum ersten Mal ausgestellt wird, ist das Manuskript des Erlkönig, von Liszt für  Orchester übertragen. Die Ausstellung zeigt die interessantesten Aspekte der Beethoven-Gedenkfeierlichkeiten von 1870 und 1877. Liszt nahm ein aktiver Teil am Feiern seines größten Vorbildes. Liszt pflegte freundliche Beziehungen auch an Johann von Herbeck, Kapellmeister am Wiener Hof, der auch als Komponist tätig war.

Der  wichtigste Bekannte Liszts in Wien war sein geliebter Onkel Eduard von Liszt. Da ein großer Teil des Nachlasses von Eduard Liszt im Besitz des Liszt-Museums zu Budapest gelangen ist (weitere Exponate befinden sich im Landesmuseum Eisentadt und in Raiding), wird in der Ausstellung seine Rolle im Leben des Komponisten reich dokumentiert.

Liszt hat in Österreich einige weitere Ortschaften besucht: Eisenstadt, Achensee, Graz, Hall in Tirol, Innsbruck, Pottendorf und Salzburg.

Die Ausstellung ist im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit der Liszt Gedenkstätten zustande gekommen.

Kuratoren: Dr. Zsuzsanna Domokos and Dr. Martin Czernin,

with collaboration of Anna Peternák, Ágnes Watzatka, Júlia Fedoszov, Lilla Bokor, Katalin Avar and Miklós Török

Installation: Tímea Bősze

Für ihre Unterstützung danken wir sehr herzlich folgenden Leihgebern:

  • Liszt Ferenc Musikakademie, Liszt Ferenc Forschungsbibliothek
  • Ungarisches Nationalmuseum, Historische Gallerie
  • Briefmarkenmuseum, Budapest
  • Historisches Museum Budapest, Museum Kiscelli
  • MTA BTK Institut für Musikwissenschaft, Museum für Musikgeschichte
  • Stiftung für Gedenkstätte
  • Alajos Strobl, Budapest
  • Diözesanarchiv, Eisenstadt
  • Landesmuseum Burgenland, Eisenstadt
  • Franz Liszt-Gesellschaft Raiding
  • Schottenstift, Wien
  • Gesellschaft der Musikfreunde, Wien