Liszt für Kinder
Franz Liszt war ein echtes Wunderkind. Er war so begabt, dass er schon als Kind öffentliche Konzerte gab. Das erste Konzert fand in Ödenburg (heute Sopron) statt, als er neun Jahre alt war, einer Stadt in der Nähe seines Geburtsorts, in der er 1811 zur Welt kam.

Als er jung war, komponierte er so schwierige Stücke, dass sie nur von ihm gespielt werden konnten.
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Während der Konzerte spielte er mit so viel Elan und Leidenschaft, dass die Saiten des Klaviers oft zerbrachen. Deshalb standen zwei oder drei Instrumente auf dem Podium, damit er sie wechseln konnte, falls eine Saite zerbrach.

Eine Karikature
Franz Liszt reiste viel. Er gab tausende Konzerte kreuz und quer durch Europa, von Spanien bis nach Russland, von England bis zur Türkei. Seine Reisen dauerten Tage oder sogar Wochen, doch er sollte jeden Tag üben. Um die anderen Reisenden nicht zu stören, benutzte er ein stummes Klavier, das „Stummerli“ genannt wurde.
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Er kannte viele berühmte Persönlichkeiten persönlich: Komponisten wie Beethoven, Schubert, Berlioz und Wagner; Maler und Bildhauer, darunter Mihály Munkácsy und Alajos Strobl. Er begegnete auch Königen und Königinnen, zum Beispiel Napoleon III., Königin Victoria, Kaiser Franz Josef I. und Zar Nikolaus I.

Die sitzende Liszt-Statue von Alajos Strobl
Seine Verehrer gaben ihm regelmäßig wertvolle Geschenke. Er bekam einen silbernen Dirigentenstab, ein silbernes Notenpult, ein silbernes Schwert und sogar zwei russische Bären.
Man schenkte ihm natürlich auch verschiedene Musikinstrumente – sogar aus dem Ausland, zum Beispiel aus Paris oder Amerika.

Liszts amerikanisches Harmonium und ein von seinem Bösendorfer Klaviers
Aber er dachte nicht nur an sich selbst: Er half auch anderen! Er gab viele Wohltätigkeitskonzerte, um Geld für gute Zwecke zu sammeln, zum Beispiel für die Opfer der großen Überschwemmung in Pest im Jahr 1838.
Also ist es kein Wunder, dass die Leute echte Fans dieses großzügigen Mannes und Pianisten waren, der als Junge wie ein heutiger Star galt. Alle wollten ein Souvenir von ihm. Viele sammelten sogar Locken seines Haares.

Liszt war nicht nur ein virtuoser Pianist, sondern auch ein Dirigent. Deshalb beschäftigte er sich neben dem Klavier auch mit dem Orchester. Er dirigierte und komponierte zahlreiche Stücke für das Orchester.
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Er arbeitete orchestrale Werke für das Klavier um und versuchte, mit einem einzigen Instrument solche Töne zu erreichen, die ein ganzes Orchester erzeugen kann.
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Dieser in Ungarn geborene Komponist, ein Riese des 19. Jahrhunderts, hinterließ ein umfangreiches Werk. Es ist interessant, dass seine Musik zu seinen Lebzeiten nicht immer gut ankam. Sein Stil war neu und ungewöhnlich, deshalb konnte man mit dieser modernen Tonwelt zunächst nichts anfangen.
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Liszt war nicht nur Pianist, Komponist und Dirigent, sondern auch Klavierlehrer. Er unterrichtete viele begabte Studenten sein ganzes Leben lang. In Budapest begründete er die Musikakademie, die in dem Gebäude untergebracht war, in dem sich heute das Liszt-Museum befindet. Dort gab es auch eine Dienstwohnung, in der Liszt wohnte.

Die Alte Musikakademie

Die Musikakademie heute
Der Glaube an Gott nahm immer einen wichtigen Platz im Leben Liszts ein. Schon als 18-jähriger Junge überlegte er, Priester zu werden. Schließlich trat er 1865, im Alter von 54 Jahren, in die katholische Kirche ein. Er komponierte viel Kirchenmusik, zum Beispiel Christus und die Graner Messe.
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Gegen Ende seines Lebens begann der frühere „Starpianist“ und Komponist, dessen Musik zuvor oft energetisch, leidenschaftlich und glanzvoll war, tiefere und ernstere Gefühle durch Musik auszudrücken. Mit seinen Tönen malte er oft leise, dunkle und sogar lugubre Stimmungen.
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Franz Liszt war so berühmt, dass sein Name nicht nur im Konzertrepertoire erscheint. Die Musikakademie wurde nach ihm benannt: die Franz-Liszt-Musikakademie. Auch der Budapester Flughafen wurde nach ihm benannt – was kein Wunder ist, denn Liszt war international berühmt und reiste viel. Schließlich gibt es sogar ein nach Liszt benanntes Tier: den Liszt-Affen.


